e-Zigarette: Lifestyle oder Medizinprodukt?

Ist die e-Zigarette ein Lifestyle- oder Medizinprodukt?

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In Gefahr und großer Not bringt der Mittelweg den Tod.
(Friedrich von Logau ♦)

Während die deutsche e-Raucher-Gemeinde noch im Dornröschenschlaf verharrt und eine gesetzliche Regulierung der e-Zigarette auf die lange Bank schieben will, betreibt eine deutsche Firma aktiv diesen Prozess.

Diese lange hinter vorgehaltener Hand flüsternd diskutierte Frage wird von einer bayrischen Firma aktiv einer Antwort zugeführt. Das Unternehmen hat eine sog. Pharmazentralnummer ♦ (PZN) beantragt, um die eigenen Produkte den 22.000 Apotheken per Großhandel anzubieten. Zwar ist dies nur ein erster Schritt in Richtung Medizinprodukt, denn eine PZN weist das Produkt weder als Medizin noch als behördlich geprüft aus, aber damit verschafft sich die Firma bei der gegenwärtig nur scheinbaren gesetzlichen Unklarheit einen ersten Wettbewerbsvorteil und bringt sich in gute Aufstellung.

Lifestyle-Produkt

Wird die e-Zigarette bei einer künftigen eindeutigen gesetzlichen Regulierung nämlich als Lifestyle-Produkt (oder Tabakerzeugnis) eingestuft, so stehen einer breiten Vermarktung keine Hindernisse entgegen. Die e-Zigarette könnte dort, wo es für die betroffenen Raucher am wichtigsten ist, vertrieben werden: in Tabakgeschäften, Tankstellen, Supermärkten und natürlich auch wie bisher in Online-Shops. Eine weite Verbreitung dieses alternativen Rauchproduktes könnte helfen, Abertausende von Menschenleben zu retten.

Medizinprodukt

Wird sie allerdings als Medizinprodukt eingestuft, so unterliegt Handel und Produktion strengen gesetzlichen Bestimmungen und als Konsequenz dürfte die e-Zigarette nur in Apotheken vertrieben werden - eine für dieses innovative Produkt vermutlich fatale Entwicklung. Bei den zu erwartenden "Apothekerpreisen" würde für viele die mögliche Ersparnis als Anreiz zum Wechsel wegfallen, und viele ehemalige Raucher würden wieder mit dem Rauchen von Tabakzigaretten fortfahren - mit allen seinen negativen gesundheitlichen wie gesellschaftlichen Folgen.

Aggressives Marketing

So lässt sich auch leicht das aggressive Marketing dieser Firma erklären. Mit dem Argument "Aufhören mit der e-Zigarette" nennt sie ein therapeutisches Ziel – die Nikotinentwöhnung. Damit fördert sie eine spätere Einstufung der e-Zigarette als Medizinprodukt und der Nikotindepots als Medizin, während ihre eigenen Produkte bereits an den dann einzigen Verkaufsorten im Angebot zu finden sind.

Wünschenswerte Qualitätskontrollen

Allerdings hat diese Entwicklung keineswegs nur negative Folgen. Eine Einstufung als Medizin und Medizinprodukt würde eine durchaus wünschenswerte und bisher schmerzliche fehlende Qualitätskontrolle der elektrischen Zigarette und der Nikotindepots mit sich bringen.

Von einem Verbraucherstandpunkt aus gesehen, kann es nur hilfreich sein, sowohl die Depots als auch die e-Zigaretten strengen, nachprüfbaren Qualitätskontrollen zu unterziehen, denn es handelt sich hier um ein Produkt, das womöglich tief in den Stoffwechsel eingreift. Der hoffnungsfrohe Verweis auf die fehlende Regulierung anderer chinesischer Produkte darf hier nicht als Entschuldigung oder gar Rechtfertigung dienen.

Und so muss der bisherige „konventionelle" Handel und die e-Raucher-Gemeinde diese Herausforderung nun aktiv annehmen und selbst eine Klärung der Sache e-Zigarette „proaktiv" betreiben.

  • Sowohl für das Gerät als auch für die Nikotindepots müssen klare, nachvollziehbare, unabhängige Gütesiegel entwickelt werden, die den Verbraucher schützen.
  • Gleichzeitig muss die gesetzliche Regulierung im Sinne der vielen e-Raucher vorangetrieben werden. Hier gilt es eine Einstufung als Lifestyle-Produkt oder Tabakerzeugnis zu erreichen, damit Preise und Vertriebswege eine möglichst weite Verbreitung des Produktes erlauben.
  • Ebenso wünschenswert wäre die Nutzung eines Gütesiegels für Online-Shops♦, wie es z.B. von der Stiftung Warentest oder dem Bundesjustizministerium ♦ empfohlen wird, um die Glücksritter in diesem Geschäft erkennbar zu machen.
  • Und nicht zuletzt muss die medizinische Forschung vorangetrieben werden, um endlich aus dem fabulatorischen Notstand zu wissenschaftlich möglicher Gewissheit zu gelangen. Auch wenn „es schwer vorstellbar ist", dass die e-Zigarette so schädlich sein kann wie die „normale" Zigarette, so muss hier der medizinische Nachweis erbracht werden.

Die größte aller Feigheiten ist die Angst, die Wahrheit könne schlecht sein.
(Herber Spencer ♦)

Die e-Rauchergemeinde und die Händler haben bisher einer Regulierung eher ausweichen wollen, in der Erwartung, diese könne nur nachteilig ausfallen. Nachteilig für die Händler, nachteilig für die Kunden. Doch sitzen Händler und Kunden hier nicht selbstverständlich in einem Boot.

Mal ehrlich: das erste Ziel der Kunden ist ja nicht, Umsatz für die Händler zu erzeugen. Sie - die Kunden - wünschen qualitativ hochwertige und preiswerte Produkte und die wollen sie problemlos beziehen. Wenn das über den Weg der Apotheke geschehen könnte – den Verbrauchern kann das letztendlich egal sein. Die Frage ist natürlich: wie viele preiswerte Produkte gibt es denn in Ihrer Apotheke? Qualitativ hochwertige – ganz ohne Frage. Aber gleichzeitig auch preiswerte?

Die Händler auf der anderen Seite haben so manchem naiven Glauben zum Trotz nicht nur das Wohl der Kunden im Sinn – der steht ihnen auch nach Umsatz und Gewinn. Je unregulierter der Markt, je weniger Eingriffe und Kontrollen von außen desto größer ist die Gewinnspanne.

Beide stehen einem Unternehmen gegenüber, das die Spielregeln unserer wettbewerbsorientierten Gesellschaft beherrscht und wohlvorbereitet in diesen Kampf zieht. Ohne Fisimatenten steuert es auf die bisherige Schwachstelle des Geschäftes zu: die vorgebliche oder tatsächliche gesetzliche Unklarheit. Und tut dies offensichtlich in der Absicht, diese lang notwendige Klärung herbeizuführen.

Wer hier immer noch meint, es sei besser in katatoner Starre abzuwarten, gehört bald zur erlebten Geschichte.