e-zigarette-test - Interview mit Prof. Dr. Carl Phillips

experten-interview-e-zigarette Carl Phillips

Prof. Dr. Carl Phillips – wie sicher ist die elektronische Zigarette? Sichere Alternative, Krebsrisiko und Erdnussbutter, Passivrauchen, Nikotinentwöhnung, Risikominderung, Nebenwirkungen, mögliche Verunreinigung bei der Herstellung, FDA-Studie, Umsteigen so gesund wie Aufhören

ECD diskutiert die e-Zigarette mit Prof. Dr. Carl Phillips, TobbaccoHarmReduction.org-Institut an der Universität Alberta, Canada

Quelle: E CIGARETTE DIRECT - aus dem Englischen übersetzt mit freundlicher Genehmigung - im Text als ECD)

ECD: Wenn wir uns anschauen, was wir über die e-Zigarette und deren Inhaltstoffe – auch die krebserregenden – wissen, gibt es da Grund zu der Annahme, dass die e-Zigarette eine sicherere Alernative zu normalen Zigaretten ist?

Carl Phillips: Ich glaube, das ist wirklich eine Untertreibung. Ich glaube, es kann gar keinen Zweifel geben: die e-Zigarette ist sicherer als die normale Zigarette. Das Wort „sicher" allerdings will andeuten, dass es da keinerlei Risiko irgendeiner Art gibt – und das trifft nun wirklich auf gar nichts zu. Wir vermuten, dass die e-Zigarette bis zu 99 Prozent weniger schädlich ist als Rauchen. An dieser Größenordnung kann man meiner Meinung nach wenig zweifeln.

ECD: Professor Michael Siegel legt nahe, falls elektrische Zigaretten aufgrund der laut einer FDA-Studie enthaltenen Karzinogene verboten werden sollten, dann müsste auch Erdnussbutter verboen werden. Können Sie da zustimmen?

Carl Phillips: Mindestens! Wir müssten die Hälfte aller verfügbaren Lebensmittel verbieten. Ich meine, diese FDA Studie hat kein Krebsrisiko gefunden. Diese Studie war im Grunde genommen nichts anderes als Propaganda.

ECD: Wie ist das mit dem Passivrauchen und der -Zigarette? Gibt es da Gefahren?

Carl Phillips: Wahrscheinich nicht. Soweit wir wissen, birgt der Dampf, dieser Propylenglycol –Dampf, bei niedrigen Konzentrationen keine Risiken für die menschliche Gesundheit. Es ist möglich, dass es da ein winziges Restrisiko gibt; das ist aber so gering, dass wir es weder bemerkt noch gemessen haben. Die Menge an Nikotin, die in die Luft abgegeben wird, ist genauso vernachlässigbar, und Nikotin selbst hat so ein niedriges Risikoprofil. Also noch einmal: es ist niemals ordentliche Wissenschaft zu sagen, etwas stellt absolut kein Risiko dar. Genauso wenig ist es aber ordentliche Wissenschaft zu behaupten, dass ein Risiko bestehe, ohne dieses Risiko zu quantifizieren. Ich schätze, dass vom „Passiv-Dampfen" – wenn man das so sagen kann – keine Gefahr ausgeht.

ECD: Ihrer Meinung nach, könnten e-Zigaretten eine Hilfe bei der Nikotingentwöhnung sein oder als Produkt zur Risikomindrung (Tabacco Harm Reduction) dienen?

Carl Phillips: Ja, sie könnten nicht nur, sondern es ist genau das, wozu sie bereits verwendet werden. Erfahrungsberichte von tausenden, ja zehntausenden von Rauchern scheinen das zu bestätigen: sie haben mit dem Rauchen aufgehört, indem sie auf die e-Zigarette umgestiegen sind. Und das zeigt doch wohl, dass die e-Zigarette als Mittel zum Rauch-Stopp und zur Risikominderung funktioniert.

ECD: Elektrische Zigaretten gibt es nun schon seit einigen Jahren, und es gibt nur wenige Organisationen, die damit ein Problem haben. Welche Nebenirkungen wurden bisher beobachtet?

Carl Phillips: So weit mir bekannt ist, wurden keine akuten Nebenwirkungen entdeckt, was natürlich eine gute Nachricht ist. Es gibt keinen Grund, zukünftig eine zu erwarten, aber das kann niemand wissen, wenn man einer neuen Sache ausgesetzt ist. Manchmal hört man hie und da von Berichten, seltsamen Ereignissen, aber mir ist da nichts bekannt.

Natürlich wissen wir, dass der Konsum von Nikotin über lange Zeit ein kleines, ein sehr kleines Risiko zur Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen darstellt. Da dieses Risiko größer als Null ist, kann man wohl sagen, dass das eine voraussagbare, langfristige Nebenwirkung ist. Allerdings ist das ein Gesamtrisiko in der Größenordnung von Kaffetrinken, nichts, was auch nur entfernt mit dem Risiko von Zigarettenrauchen vergleichbar wäre.

ECD: Was ist Ihre größte orge, wenn's um die e-Zigarette geht?

Carl Phillips: Nun, wir wissen nicht wirklich viel über den Herstellungsprozess, und es gibt keine ausreichende Qualitätskontrolle.

Eine andere Sache ist die Verunreinigung. So ungefähr jeder in China, der Zugang zu einer entsprechenden Fabrik hat, kann die e-Zigaretten produzieren und sie unter einem Markennamen verkaufen. Natürlich ist das von Hersteller zu Hersteller unterschiedlich, aber es handelt sich hier ja nicht nur um Plastikspielzeuge, die allein ja schon großen Anlass zur Sorge gegeben haben.

Die e-Zigarette, das ist etwas, das Chemikalien abgibt, die ganz bestimmt vom Körper absorbiert, aufgenommen werden. Also braucht's wirklichen keinen großen Betriebsunfall, um etwas sehr Schädliches herzustellen. Ich fürchte wirklich, das wird eines Tages passieren, wenn wir keine greifende Regulierung bekommen, und das wird der gesamten Produktlinie in Verruf bringen. Natürlich wäre das unangemessen, aber ganz verständlich.

ECD: Lassen Sie uns die Frage der Qualität der Herstellung weiter verfolgen. Sprechen wir über die FDA. Die FDA hat elektronische Zigaretten zweier Marken getestet und in einer Marke Diethylenglycol ♦ gefunden und in beiden Tabak spezifische Nitrosamine ♦. Was nun istdie genaue Bedeutung dieser Ergebnisse?

Carl Phillips: Von einem wissenschaftlichen oder gesundheitlichen Standpunkt gesehen haben diese Ergebnisse keinerlei Bedeutung. Von einem politischen Standpunkt allerdings schon.

Die Tatsache, dass es in den e-Zigaretten messbare Mengen kleiner Moleküle gibt, die auch in der Tabakpflanze vorkommen, ist sicherlich keine Überraschung. Nikotin kommt vom Tabak, und unsere Befähigung, auch wenige, verstreute Moleküle als Verunreinigung zu entdecken, heißt nur, dass grundsätzlich jedes Molekül, das in der Tabakpflanze gefunden wird und klein genug ist, um als Verunreinigung zu „dienen", auch in der e-Zigarette zu finden ist. Natürlich wird man es ebenso in Nikotinpflastern, Nikotinkaugummis und Nasensprays etc. finden, in jedem Produkt, das Nikotin enthält, das aus der Tabakpflanze extrahiert wurde. Das ist also völlig bedeutungslos. Die Mengen an Nitrosaminen in elektrischen Zigaretten waren um viele Größenordnungen kleiner als z.B. die in rauchfreiem Tabak, der gezeigt hat, das er das Krebsrisiko nicht messbar erhöht. Also wissen wir auch, dass das keine Rolle spielt.

Von größerer Bedeutung ist die Entdeckung einer Verunreinigung der Trägerflüssigkeit. Nicht dass in diesem speziellen Falle genug davon gefunden worden wäre, um schädlich zu sein, nein, aber da sollte einfach nichts anderes sein als Propylenglycol und Wasser. Das heißt also, dass da tatsächlich ein Herstellungsproblem – und Herstellungsproblem können unter Umständen eine sehr ernsthafte Sache sein. Was allerdings das größte Problem hier ist, das ist die angewandte Politik. Das zeigt sich in allen Situationen für typische Risikominderung, und als Daumenregel kann gelten: wenn wir etwas verbieten, versuchen zu verbieten oder einem Produkt den Kampf ansagen, dann können wir es nicht regulieren und wir können es nicht sicherer machen. Wenn Sie also Drogen, die injiziert werden, den Krieg erklären und sie einfach verbieten wollen und nicht anerkennen, dass sie sowieso verwendet werden, dann verhindern sie tatsächlich, dass sterile Nadeln benutzt werden. Und das Auswechseln der benutzten gegen eine neue, sterile Nadel könnte eine Menge Leben retten.

Ebenso bei der Prostitution: wenn Sie die absolut verbieten wollen und so tun, als ob es das nicht gäbe, dann ist es unmöglich Regeln durchzusetzen, die Prostituierte zwingen, sich regelmäßig gesundheitlich untersuchen zu lassen.

Gleiches gilt, falls die FDA der e-Zigarette den Krieg erklären sollte und sie einfach vom Markt nehmen will. Dann verabschiedet sie sich von ihrer Verantwortung sicherzustellen, dass die elektronische Zigaretten das sind, was sie sein sollen, dass sie sicher bleiben und hier sind wir wieder bei der Qualitätskontrolle. Die FDA wäre wirklich die perfekte Behörde, gewisse Qualitätskontrollen bei Herstellern von e-Zigaretten durchzusetzen – aber die Aussichten dafür stehen ziemlich schlecht.

ECD: Welche Gesundheitsrisiken – wenn überhaupt – könnten Raucher finden, wenn sie elektrische Zigaretten rauchten oderganz auf e-Zigaretten umsteigen würden?

Carl Phillips: Die Gesundheitsvorteile eines Umstieges auf e-Zigaretten sind fast genau die gleichen, wie die beim Aufhören. Das gilt für e-Zigaretten, „Smokeless Tobacco" und pharmazeutisches Nikotin. Wenn ein Raucher es schafft auf eines dieser Produkte umzusteigen, dann sind die positiven Effekte ungefähr die gleichen wie beim Aufhören. Das Krebsrisiko sinkt, das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen sinkt, die akuten Symptome für Probleme mit Lunge und Atemwegen verschwinden. Das Umsteigen liegt so nahe beim Aufhören, dass von einem Gesundheitsstandpunkt es keinen Sinn macht, sich über die Unterschiede Gedanken zu machen.

ECD: Wir danken für dieses Gespräch.