e-zigarette-test - Interview mit Paul Bergen

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Wie schädlich ist die e-Zigarette: Anti-Tabak-Aktivisten, Studien über e-Zigaretten, Erfahrung mit der e-Zigarette, Verluste bei der Tabaksteuer, Falschinformationen

Ein Interview über die verschiedenen Aspekte der e-Zigarette mit Paul Bergen von dem Tobacco Harm Reduction Project

Quelle: E CIGARETTE DIRECT - aus dem Englischen übersetzt mit freundlicher Genehmigung - im Text als ECD)

ECD: Wie schädlich ist die e-Zigarette, und wie wahr sind Berichte (Put down that E-Cigarette), die behaupten, sie seien giftig?

Paul Bergen: Dieser spezielle Beitrag ist etwas irreführend. Die Hauptanliegen der WHO (Weltgesundheitsorganisation) bezüglich e-Zigaretten war, dass einige Vertriebe fälschlicherweise behaupteten, die WHO unterstütze sie. Abgesehen davon ist es natürlich auch unangemessen von der WHO – so wie von einem Großteil der Opposition gegen e-Zigaretten – sich alleine auf die Frage zu konzentrieren, ob diese Geräte den Leuten tatsächlich helfen können, mit dem Rauchen aufzuhören, und nicht auch zu fragen, ob diese Geräte das mit dem Gebrauch von Tabak verbundene Risiko mindern.

Die Autorin dieses Beitrages, Summer Johnson, spezialisiert auf Bioethik, ist womöglich in der wissenschaftlichen Arena vorsichtiger, aber sie hat jüngst folgendes veröffentlicht: „Gesundheitsethiker sagen, dass fast jede Maßnahme in Ordnung geht, die nikotinabhängige Raucher dazu bringt damit aufzuhören, sich und anderen zu schaden. (http://blog.bioethics.net/2008/09/say-goodbye-to-tobacco/) Es ist schon schlimm genug, wenn Aktivisten sagen, Maßnahmen gegen Raucher seien vernünftig, aber wenn das von professionellen Ethikern behauptet wird, ist das viel schlimmer.

Allerdings muss man darauf auch nichts erwidern, da die Blogkommentare schon zeigen, dass die meisten Leute erkennen, sie hat ihren Beitrag geschrieben, ohne wirklich etwas über das Thema zu wissen. Ihr Hauptirrtum, und der vieler Anti-Tabak-Aktivisten, besteht darin, dass bei der Diskussion einer Alternative zur Tabakrisikominderung es nicht darauf ankommt, wie sicher im absoluten Sinne ein solches Produkt ist, sondern sich zu fragen, ob es sicherer sei als ein zu vergleichendes. Obwohl es keine 100%ige Gewissheit gibt: wie sicher sind e-Zigaretten denn eigentlich, so sind wir doch ziemlich sicher, e-Zigaretten sind viel sicherer als Zigaretten. (Es ist seltsam, aber wenn man sich Johnsons Argument ansieht, dass alle Maßnahmen gut sind, die Raucher zum aufhören veranlassen, so müsste sie eigentlich elektronische Zigaretten unterstützen.)

ECD: Wie sieht denn die e-Zigarette im Vergleich zur wirklichen Zigarette aus?

Paul Bergen: Obwohl es noch nicht viele Studien über elektronische Zigaretten gibt, so zeigen die existierenden bisher keine negativen Wirkungen auf. Die Geräte sind sehr simpel, da gibt's nicht all zu viele Sorgen. Im Wesentlichen sind sie traditionelle Zigaretten, bei denen man alle bekannten Gefahren entfernt hat. Und deswegen wissen wir, e-Zigaretten sind viel sicherer als Rauchen. Die Hauptgefahr beim Rauchen ist der Tabakrauch, und der ist weg.

Was übrig ist, das ist eine Art Röhre, die man in den Mund steckt (gefahrlos, es sei denn Sie stecken sich das Teil ins Auge oder verschlucken es), Nikotin (das ist nicht gefährlicher als Nikotin, es sei denn sie sind ein Fötus), eine Geschmackskomponente, und Propylenglycol (das ist giftig, wenn Sie eine Menge davon trinken, aber ganz harmlos, wenn Sie's inhalieren) Das mögliche Risiko besteht darin, das bei der Herstellung etwas mit dem Nikotin und den Aromastoffen hineingerät.

Auch verfügen wir heute über einige Jahre Erfahrung in der Verwendung, und obwohl man wirklich Jahrzehnte benötigt um sicher zu sein, so wissen wir doch wenigstens, dass nichts Größeres und Kurzfristiges passiert ist. Die eine vernünftige Sorge ist, dass die Herstellung der Geräte wenig reguliert ist, und manche mögen unabsichtlich potentiell giftige Verunreinigungen enthalten (obwohl das schon etwas bemerkenswert robustes sein müsste, um an die Giftigkeit von Zigaretten heranzureichen).

ECD: Kann man mit e-Zigaretten mit dem Rauchen aufhören?

Paul Bergen: Ich persönlich habe gesehen, wie das geht, und auch wieder nicht. Und obwohl ich für eine ganze Weile keinen Tabak geraucht habe, habe ich die e-Zigarette ausprobiert und fand sie vollauf zufriedenstellend, bis dahin, dass ich mir „richtiges Rauchen" gar nicht mehr vorstellen konnte. Und das bei einer nikotinfreien Variante. Für manche Raucher geht es dabei nicht ums Nikotin, sondern um das Vergnügen an der körperlichen Handlung, und für diese ist die elektrische Zigarette ein Gottesgeschenk.

Vielversprechend ist, dass es dem „echten" Rauchen so ähnlich ist, dass die Leute sich sofort vorstellen, wie es die andere Gewohnheit verdrängt. An die meisten anderen Alternativen muss man sich erst gewöhnen, und dort startet man nicht mit Optimismus, sondern überlegt, was nun alles nicht mehr geht. Ob die meisten Leute wechseln werden, das ist unerheblich. Auch nur einige wenige Leben zu retten, rechtfertig das Werben für eine sicherere Alternative. Ich vermute, dass elektrische Zigaretten schlussendlich einen großen Einfluss haben werden auf die Raucherquote, aber wie ich schon gesagt habe, das brauchen wir nicht, um dafür einzutreten. Rauchen tut Ihnen nicht gut, aber es ist eine Wahl; unser Job ist nicht die Leute zu Aufgeben zu bewegen, sondern die bessere Wahl so attraktive und effektiv zu machen, dass sie sich dazu entscheiden, die Zigaretten zu lassen.

Vermutlich wird mit der Zeit das Rauchentwöhnungspotential der elektronischen Zigarette untersucht werden, aber wie bei all diesen Studien, braucht man dazu schon ein paar Jahre. In der Zwischenzeit bedeutet jede gerauchte elektronische Zigarette, dass etwas anderes nicht geraucht wird – und das ist eine gute Sache.

Wenn die üblichen Alternativen zur Raucherentwöhnung wie Kaugummi und Nikotinpflaster nach ihren langfristigen Erfolgen beurteilt würden, so würden viele sagen, sie müssten vom Markt genommen werden. Wir haben eine drängende Notwendigkeit, bessere Alternativen für Raucher zu finden, und zum Kummer der Anti-Tabak-Leute scheinen die effizientesten Alternativen, die z.Z. auf dem Markt sind, rauchfreier Tabak und elektronische Zigaretten zu sein. Von ersterem haben wir reichlich Daten, die zeigen, dass ein Umsteigen sicherer ist und das Leute das auch schaffen, und von letzteren weniger Daten, aber positive Hinweise, das es sich als sicher herausstellen könnte und vielleicht noch effektiver ist, weil es das Rauchen so gut nachahmt.

ECD: Was ist Ihrer Meinung nach der Grund dafür, dass die Regierung Informationen und Aussagen zurückhält?

Paul Bergen: Manche Zyniker behaupten, die Regierung mache sich Sorgen um die Verluste bei der Tabaksteuer, wenn jeder umsteigen würde. Vielleicht bin ich naiv, aber ich denke nicht, dass das ihr Motiv ist (obwohl das so sein sollte, da die Tabaksteuer in vielen Haushalten eine so herausragende Rolle einnimmt). Derzeit gibt es herfür zwei Gründe: 1. das Produkt verwirrt sie einfach, denn es passt nicht fein sauber in eine Kategorie (wie auch der Segway, immer noch illegal in vielen Ländern, weil niemand weiß, wo er hinsoll, und nicht weil es eine Verschwörung der Motorenindustrie gibt). 2. Manche Leute in diesen Positionen sind militante Nichtraucher und werden jedes Produkt bekämpfen, das Rauch akzeptabler macht.

Natürlich kann die Regierung das Produkt behindern, aber die Unterdrückung von Informationen muss im Zeitalter von Internet scheitern. Neue Quellen decken dies gut ab, und im großen Ganzen auch genau und positiv. Also abgesehen vom Abschalten der Presse und des Internets, kann die Regierung das Produkt an der Grenze und seinen Verkauf in Geschäften verbieten, aber die Information ist immer noch einigermaßen frei. (Nicht, das das nicht versucht wurde – auch haben sie die Macht, kommerzielle Webseiten zu beschränken.)

ECD: Können Sie uns noch weitere Beispiele dafür geben, wie der Verkauf von e-Zigaretten verhindert wird?

Was den Verkauf von e-Zigaretten angeht, so ist derzeit Australien das herausragende Beispiel. Dort ist der Verkauf dieser Produktlinie vollständig verboten. Einige Länder wie Finnland erlauben den Verkauf im Internet für persönlichen Gebrauch, aber nicht den Verkauf in Geschäften. Andere erlauben den Verkauf von elektronischen Zigaretten nur als medizinische Geräte, und wiederum andere erlauben zwar den Verkauf, aber keinerlei Werbung für die Produkte. Vielleicht läuft alles auf das schwedische Modell zu. Das ist ein Land, das einer Alternative nicht im Weg steht, und wo die Alternative erhältlich und beliebter als Zigaretten ist. Und dann, mit der Zeit, gehen die Zahlen an raucherbedingten Krankheiten zurück.

ECD: Welche Falschinformationen wurden denn über die e-Zigarette verbreitet?

Paul Bergen: Es gibt nicht so viel Falschinformation über e-Zigaretten im Vergleich zum rauchfreien Tabak. Einige erwähnen die Sorge um unbekannte Verunreinigungen. Das ist wahrscheinlich teilweise auf den chinesischen Ursprung der Produkte zurückzuführen. Die Hauptquelle für diese Befürchtung ist die WHO, die eigentlich gar nicht gesagt hat, dass das war sei, sondern dass es keine Studien gebe, die diese Möglichkeit ausschlössen. Das ist ja gar nicht unvernünftig. Dieses Potential ist nicht groß genug, um Raucher vor der e-Zigarette zu warnen. Aber angesichts der Vielzahl von Herstellern und des Fehlens einer regulatorischen Aufsicht muss gesagt werden: es gibt so gut wie keine tatsächliche Qualitätskontrolle bei der Herstellung des Produktes. Als das die WHO einmal sagte, verdrehten das jene Journalisten, die sich der Verbreitung von Angst gewidmet haben. Natürlich in Schlagzeilen über giftige Produkte. Wie auch immer, bei diese Art der Reportage ist mehr Skepsis angebracht als bei der Angstberichterstattung über Lebensmittelskandale zum Beispiel.

ECD: Was für einen Schaden verursacht die Unterdrückung der e-Zigaretten?

Paul Bergen: Ich glaube nicht, dass die „Unterdrückung von Information" so effektiv oder einflussreich ist. Eher schon die mangelnde Verfügbarkeit des Produktes. Diese Produkte müssen dort verkauft werden, wo andere Tabakprodukte auch verkauft werden, und man muss sie auf den Straßen sehen, in den Gaststätten und in Flugzeugen, überhaupt überall, wo Raucher sie bemerken könnten.

ECD: Wir danken für dieses Gespräch.