Freitag, Mai 18, 2012
   
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Dampfer sprechen

Interview mit Betroffenen

Heiß geht's her im Dampferland. Der Vorstoß der NRW-Gesundheitsministerin mit anekdotischer Unterstützung durch „Dr. P-L“ - wie Dr. Martina Pötschke-Langer, Leiterin der Stabstelle Krebsprävention des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) mittlerweile in der Szene genannt wird - hat das interessierte Publikum nebst direkt betroffenen DampferInnen mächtig in Aufruhr versetzt.

Die Diskussion wird von allen Seiten leidenschaftlich geführt, der alte DDR-Slogan: „Meine Meinung steht fest, verwirren Sie mich nicht durch Tatsachen!“ erhält fortlaufend neue Bestätigung. Der Handel klagt über einen Umsatzeinbruch von 40% infolge der ministeriellen Äußerung und will mit Abmahnungen juristisch vorgehen.

Wir sprechen mit den direkt Betroffenen: Charly und Ermilde haben den Umstieg von der „Pyro“ (Tabakzigarette) zur e-Zigarette geschafft und beantworten Fragen zum Thema.

Erstmal vielen Dank an die beiden!

Wie lange hast Du geraucht?

Charly

Also meine erste Zigarette hatte ich mit 14 in einer Freistunde in der Schule. Bis rund 22 hatte ich das Rauchen sehr gut im Griff und rauchte nur am Wochenende beim Fortgehen, aber da schon am Abend so 30-40 Zigaretten - und das am Freitag und Samstag.

Mit ca. 22 wurde ich zum regelmäßigen Raucher eigentlich Kettenraucher mit so ca.60 Zigaretten am Tag.

e-zigarette: interviews mit dampfern
Ermilde

Auf dem Tag genau kann ich dir diese Frage nicht beantworten, aber ich war noch 13 Jahre alt, als ich angefangen, habe, auf Lunge zu rauchen.

Also vor 37 Jahren.

Angefangen habe ich mit Filterzigaretten, ich bin aber kurz danach schon auf Selbstgedrehte umgestiegen. Ich konnte schon Zigaretten drehen, bevor ich angefangen habe mit dem rauchen. Der erste Junge in dem ich verliebt war, hatte schon geraucht und gedreht, er hat mir das Drehen beigebracht, aber das hat mich nicht zu meinem Ziel gebracht, er war anständig, ich war ihm zu jung.

Ich bin immer an Selbstgedrehten hängen geblieben, meine große Liebe - die war irgendwann verschwunden.

Wie viele Zigaretten pro Tag?

Mit 22 ca.60 am Tag. Ich glaube, ich hatte keinen Tag unter 30, aber manchmal auch 80 – und die langen 100mm Zigaretten!

War einmal für 1 Woche im Spital, da wurde ich auch für 3-4 Stunden gleich am ersten Tag in den Raucherraum geschoben - mit Bett - weil ich nicht aufstehen konnte zum Rauchen…

Das ist bei Selbstdrehern immer schwer zu sagen, finde ich. Der eine dreht fett, der andere dünn, zu den Letzteren gehörte ich.

Da mein Mann auch dreht, haben wir in der Woche immer 8 Pakete gebraucht, manchmal auch 1 bis 2 Pakete mehr. Jetzt, da ich dampfe, braucht mein Mann 3 Pakete in der Woche, der Rest ging wohl auf mein Konto. Pi mal Daumen lag mein Konsum zwischen 30 -50 Zigaretten am Tag.

Eher mehr als weniger.

Wie oft hast Du schon versucht aufzuhören?

Nie, denn ich wusste, ich schaff es nicht.

Mir war irgendwie klar: ich rauche gerne - so bescheuert das auc klingt - und ich will nicht wirklich aufhören. Da gab es zu viele Situationen, in denen ich wirklich geglaubt hab, das Rauchen eine "erhöhte Lebensqualität" bringt.

Na ja, solange wie Du noch jung bist, macht Dir das Rauchen ja auch nichts aus, mir jedenfalls nicht.

Und wenn Du 60 Zigaretten am Tag rauchst, dann sagt das ja auch etwas aus. Das zeigt irgendwie schon, dass Du schwer an der Pyro hängst. Da ist ein Rauchstopp nicht sone kleine Sache.

Deswegen hab ich nie ernsthaft drüber nachgedacht, mit dem Rauchen aufzuhören.

Genau 2 Mal, beide über denselben Weg. Ich habe erst das Buch "Endlich Nichtraucher" gelesen, und eine Woche aufgehört, und beim zweiten Versuch habe ich "Für immer Nichtraucher" gelesen und einen Tag aufgehört.

Das war es für mich - ein weiterer Versuch wäre zwecklos gewesen.

Beim Dampfen war für mich erstmal nicht das Ziel, mit dem Rauchen aufzuhören, sondern mit dem Husten aufzuhören.

Das ist mir gelungen, und ohne es zu merken bin ich Nichtraucher geworden.

In beiden Büchern steht ein Satz, dem ich immer nickend zugestimmt habe: Wenn ich in der Zeit, während ich mit dem Rauchen aufhöre, rauchen könnte, wäre es einfach Nichtraucher zu werden. von Allan Carr

Wäre Allan Carr Dampfer geworden, würde dieser Satz das auch gleichstellen - ich mache es.

Wann das letzte Mal?

Das muss so mit 29 gewesen sein. Da hatte ich auch den Drang aufzuhören und hab mir Pfeifen gekauft, aber das war dann nur mehr Dauer-Pfeifen -Rauchen auf Lungenzug...

Beide Versuche waren kurz hintereinander, im Abstand von ca. 1 Jahr. Das ist 12 Jahre her.

Warum dampfst Du?

Ich weiß nicht mehr genau warum, sicher wegen der Kosten meiner Sucht - ca. 11,25€ am Tag - und ich hatte mir bei e-bay schon mal eine e-Zigarette gekauft.

Das war 2007, als ich einen Asienflug hatte. Irgendwo auch die Gesundheit.

Denn ich dachte mir: noch mal 44 Jahre schaff ich nicht, wenn ich so weiter lebe.

Das ist halt so, wenn Du älter wirst, dann wirst Du ja nicht nur älter, sondern Du hast ja dann auch schon lange Deine Lunge geteert, und die schädlichen Wirkungen des Rauchens werden offensichtlich: Du wirst kurzatmig, lange Wege schmerzen in den Beinen, Treppen sind eine Herausforderung - das kennt Ihr ja alles.

Und eines, was mich wirklich immer mehr gestört hat waren, meine gelben Finger!

Die erste Motivation war der gesundheitliche Aspekt, auf jeden Fall. Ich wusste schon am Anfang an, dass Dampfen nicht "gesund" ist, aber es könnte gesünder sein.

Nach den Informationen, die ich hatte, war es einen Versuch wert, Zweifel waren nach ein paar Tagen nicht mehr vorhanden, man hadert ja doch mit sich selber und fragt sich, was soll das bringen?

Rauchen ist Rauchen!

Aber nein - heute sage ich: Rauchen ist nicht Dampfen, und Dampfen nicht Rauchen.

Kein Bericht der Welt könnte meine verbesserte Lebensqualität in Frage stellen.

  • keinen Husten mehr
  • kann besser Schlafen,
  • riechen und schmecken
  • keine gelben Zahne und Finger
  • keine Gerüche mehr in der Wohnung, im Auto.
All das haben natürlich Nichtraucher auch, aber wenn ich tauschen müsste, das alles zu haben mit dem täglichen Kampf, auch Nichtraucher zu bleiben, oder dabei zu dampfen, klare Antwort:

"Dampfen"

Wann hast Du mit dem Dampfen angefangen?

Am 28.08.2011

Am 28.09.2011, ich hatte zwar schon drei Wochen vorher angefangen, aber da immer noch zwischendurch Pyros geraucht, am 28.09 kam dan meine ego-T seitdem bin ich komplett pyrofrei.

Dampfst Du nur oder sind da auch Pyros bei?

(Pyros = normale Zigaretten)

Ich hab in der Zeit wo ich dampfe ca. 40 Zigaretten geraucht. Mich graust´s mittlerweile davor…

Nein, keine Pyros mehr.

Mit der e-Zigarette aufhören zu rauchen - Dein Ziel?

Viele Dampfer betrachten sich ja schon als "Nichtraucher", weil sie eben nicht mehr rauchen sondern dampfen.

Da kann ich gut mit leben, auch wenn ich weiß, dass ich immer noch Nikotin zu mir nehme, also im ursprünglichen Sinn sozusagen eigentlich keiner bin. Aber nein, ich finde, das muss man heutzutage anders sehen. Ich rauche ja nicht :)

Ich möchte vor allem den Nikotingehalt reduzieren - auf 0! Im Moment gelingt es mir noch nicht immer, und aufhören kann ich ja nicht, denn ich schreib ja für ezt ;)

Nein, da ich ja jetzt selber meine Liquids herstelle, habe ich auch vor, mein Nikotin selber herunter zu schrauben. In ganz kleinen Schritten, Eile habe ich dabei nicht. Ich habe 37 Jahre geraucht. Ich kann auch 37 Jahre dampfen und bis dann auf 0 Nikotin kommen. Das wären echt langsame Schritte

Aber dennoch merke ich, dass sich mein Dampfverhalten immer mehr zurückzieht, ich lege immer häufiger meine Dampfe weg, mein Liquidverbrauch hat nachgelassen, aber alles ohne Stress.

Das ist ein gutes Gefühl, das zeigt mir, dass ich nicht mehr so schnell in Panik gerate, nur weil ich nichts zu qualmen habe.

Bei meinen Pyros war das so.

Was hältst Du von der gegenwärtigen Diskussion in den Medien?

Absolut überzogen und nicht haltbar; für mich ein Zeichen, dass es nur um die Geld geht und nicht um Gesundheit.

die e-zigarette in den medien

Mir kann doch keiner erzählen, dass die Tabakzigarette "in Ordnung" ist für die "Volksgesundheit", die e-Zigarette aber ein so große Gefahr darstellt, dass sie nun ganz, ganz schnell verboten werden muss!

Du kannst Dir doch ganz leicht den Umfang der Gefährlichkeit der Tabakzigarette klar machen, wenn Du Dir anschaust, dass 140.000 Menschen hier an den Folgen des Rauchens sterben. Das ist jedes Jahr eine große Stadt!

Ganz viele Krankheiten gehen ausschließlich oder doch hauptsächlich auf's Rauchen zurück, und dennoch denkt da keiner drüber nach, die Zigarette zu verbieten, die Jahr für Jahr Menschen tötet.

Da kannste dann auch schon zynisch werden:

  • an die 20 Milliarden Steuereinnahmen für den Staat
  • so um 15-20 Milliarden Kosten für die Gesundheitssysteme
  • da darfste dann auch nicht vergessen, dass diese "Kosten" hier bei anderen "Einnahmen" sind
  • Raucher sterben früher und belasten die Sozialsysteme weniger
  • Naja, und die Zigarettenindustrie hat zum ersten Mal ernsthafte Konkurrenz!

Wie ein denkender Mensch da auf die Idee kommen kann, die e-Zigarette zu verbieten, aber die Tabakzigarette unangetastet zu lassen, das ist für mich absolut schleierhaft!

Ich finde es gut, nur so kann das Dampfen immer weiter entdeckt werden, obwohl immer noch sehr viele negative Berichte darüber geschrieben werden, wird die dampfende Gesellschaft immer größer.

Es gibt und gab mittlerweile so viele Berichte, Kommentare und Artikel, und überall wo man seine Meinung mit einen Kommentar abgeben konnte, sind die Aussagen zu 99% alle positiv, wir sind doch keine Spinner, die der Dampf so eingenebelt hat, dass wir nicht mehr wissen, was wir erzählen. Es hat sich auch kein Band im Kopf entwickelt, das bei jedem dasselbe abspielt, dass man:

  • keinen Husten mehr hat
  • besser Luft bekommt
  • besser riechen und schmecken kann
  • und, und und

Das Thema e-Zigarette wird weltweit wie eine Seuche gehandelt, aber gegen die Pyro- Seuche [Pyro = Tabakzigarette] gab es keinen Versucht, die zu verbieten.

Raucher wurden von der Gesellschaft und von Nichtrauchern ausgegrenzt. Aber ging es wirklich um die Gesundheit? Ich denke nicht, es ging nur darum das wir zahlende Kunden bleiben sollten, aber dann bitte als Eckensteher. Gesellschaftlich stinkende Menschen zweiter Klasse. Dahin ging der Weg, das war das Ziel.

Und jetzt kommt etwas auf dem Markt, das uns wieder „gesellschaftsfähig“ machen würde. Aber wir sind keine Staatskunden mehr, und unsere schwarze Lunge füttert weder die Tabakindustrie noch sonst wen.

Ich bin stolz darauf, Dampfer zu sein, und ja ich bin süchtig. Ich brauche das Nikotin, aber eben nur das, und nicht die tausenden anderen Stoffe.

Und nichts wird mich wieder zu einem Pyro- Raucher machen.

Sollte die e-Zigarette stärker reguliert werden?

Was heisst denn "reguliert"?

Wenn das bedeutet, dass wir Dampfer, als wir Verbraucher, geschützt werden sollen, dass es da einheitlich Qualitätsstandards geben soll, dann ist das eine Sache, über die man sicher reden kann.

Wichtig ist mir dabei, dass die e-Zigarette für alle zu einem fairen Preis frei erhältlich ist.

Wenn "Regulation" aber bedeutet, dass da starke Auflagen kommen oder die e-Zigarette nur noch in Apotheken zu Apothekerpreisen verkauft wird, dann halte ich davon nichts.

Gegen vernünftige Regeln gibt es ja nichts zu sagen. Obwohl bevor dem Staat, der „dampfende Goldesel“ vor die Nase gelaufen ist, haben die Dampfer das ja auch gut hin bekommen.

Es wurde auf jeder Online Seite, die ich besucht habe, immer auf Sorgfalt hingewiesen, ob es um den Umgang mit dem Nikotingehalt, die Kinder oder unsere Tiere ging.

Es gab keine Seite bisher, wo man das Gefühl hatte, hier geht es nur um die schnelle Mark, bzw. Euro.

Aber mehr Ordnung würde auch keine Scharlatane hervorheben, eine Regulierung wäre gut. Aber nicht in der Form, dass der Staat sein Tabakverlust wieder rein hohlen kann.

Wie machst Du das mit dem gefährlichen Nikotin?

Ich habe meine Liquids in einer Holzschachtel; keine Kinder, also brauch ich sie nicht wegzusperren, und die Stärken, die ich verwende, sind für mich nicht gefährlich.

Das ist natürlich für Leute mit Kinderrn anders. Du musst mit dem Nikotin umgehen, wie mit hochprozentigem Alkohol. Wenn Du Kinder hast, dann sperrst Du den doch auch im Wohnzimmerschrank weg.

Übrigens: auch Zigarettenkippen sind für kleine Kinder gefährlich, wenn die Eltern da nicht auf die Aschenbecher aufpassen!

Selbst als starker Raucher habe ich mit 18mg angefangen, und das reicht völlig aus, auch wenn ich 18mg dampfe und ich keinen kleine Kinder mehr habe, steht es hier nicht rum.

Nikotin ist ein Gift, und so behandle ich es auch, vorsichtig und schwer zugänglich. Da waren meine Pyros (=Tabakzigaretten) zugänglicher, hier flog immer irgendein Paket rum, lag wahrscheinlich eher daran das Pyros mehr zum Alltag gehörten, man hat sich über das Gift, das darin steckte, gar nicht mehr so viele Gedanken gemacht. Traurig aber wahr.

Sollte die e-Zigarette nur in Apotheken verkauft werden?

Das ist genauso nur Geschäftemachen für die Pharmaindustrie.

Da könnte dann nur die Qualitätskontrolle womöglich ein Vorteil sein. Aber die Preise gehen dann sicherlich in die Höhe. Heißt ja nicht umsonst "Apothekerpreise".

Auf keinen Fall, die Funktion einer e-Zigarette ist es nicht, mit dem Rauchen aufzuhören.

In erster Linie befreien wir uns von all den Giftstoffen, die den Tabakzigaretten zugefügt werden, und wer sich dann von dem Nikotin der e-Zigarette lösen kann - Herzlichen Glückwunsch! Wer nicht, muss sich im Klaren darüber sein, dass er/sie süchtig ist, einfach gesagt "Nikotin- abhängig".

Was machst Du, wenn e-Zigarette verboten wird?

Liquid selbermischen und meine Ersatzteile im Netz bestellen …

e-zigarette: dann leben wir in einem Verbotsstaat

Dann leben wir nur mehr in einen Verbotsstaat, und das Dampfen, das lass ich mir einfach nicht verbieten!

Dann werde ich da einkaufen, wo sie nicht verboten ist, dann werde ich ganz klar zur Kriminellen.

Warum?

Seit ich zur Dampferin geworden bin (wir dampfen ja, wir rauchen ja nicht mehr), weiß ich erst wie giftig eine Zigarette ist, weil ich mich seit dem Umstieg viel mit dem Thema beschäftige: was ist in den Liquid drin und was war in den Zigaretten drin, und der Frage auch mal auf den Grund gegangen bin, warum mir der Umstieg so leicht gefallen ist.

Ich bin zu der Überzeugung gekommen, dass ich zwar noch Nikotin konsumiere, also abhängig bin, aber trotzdem hat sich mein Körper entgiftet.

Das erklärte meine Schlaflosigkeit und Schweißausbrüche, die ich die ersten paar Nächte hatte.

Wenn die e-Zigarette verboten wird, ziehst Du es dann in Erwägung, ganz auf Nikotin zu verzichten – würdest Du dann wirklich Nichtraucher werden?

Nein

Nein



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