Sonntag, Februar 05, 2012
   
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Önne Besuch beim Zoll

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So geschehen im Jahre 2010 in einer deutschen Großstadt mit Zollgebäude nebst Flughafen. Wahrheitsgemäß niedergeschrieben zur Belehrung und Erbauung. Die Belehrung: na, geht doch! Und die Erbauung: na, Gottseidank!

Ein Bericht von Ludwig Schaumerma (Name von der Redaktion geändert)

 Vorgeschichte Das Teuerste am Auto, das ist das Benzin. Das Teuerste an der e-Zigarette, ja, das sind die e-Liquids. Das macht schon'nen Unterschied, ob Du € 5,- für 5 ml bezahlst oder € 23,16 für 200 ml. Im ersten Fall macht das € 1,- für'n Depot – und im zweiten gerade mal 12 €uro-Cent. Da lohnt das Forschen nach Alternativen.

Ick dampfe schon 'ne Weile, also ist klar: in Deutschland kriegst Du die Depots oder Liquids nie zu so'm niedrigen Preis. Da musste schon in Ausland, und zwar direktemang an die Quelle: ins Reich der Mitte, ins Land des Lächelns – nach China eben.

Da klapp ich also mein Notebook auf und google, was das Zeug hält. Anbieter gibt's genügend. Die Seite bietet eine deutsche Übersetzung – fällt in die Kategorie Unterhaltungsbeitrag.

„Zerstäubt die Patrone eines Inhalators zusammensetzt und eine Flüssigkeitsbehälter." Naja. Da hoffe ich doch stark, das nicht die Patrone zerstäubt wird, nicht wahr. Übersetzungen durch die Suchmaschinenkrake sparen nicht nur Kosten sondern auch Sinn. Doch ich verstehe, was gemeint ist – vor allem verstehe ich den Preis: unschlagbar!

Nun aber überfällt ein Zögern mich.

Zwar sind die Dinger billig, aber auch im Ausland. Und müssen auf dem Weg in meine e-Zigarette ins Inland. Dazwischen hat der HERR den Zoll gebaut. Da müssen die durch, und die Gerüchteküche will es: das ist nicht so einfach. Wegen der rechtlichen Lage in unserem lieben Land. Wo immer alles verboten ist, was nicht ausdrücklich erlaubt ist. Manchmal passieren hier allerdings auch Sachen, obwohl sie ausdrücklich verboten sind. Na ja. Das Spiel heißt also Risiko, besser ich bestelle da nicht so viel, kommt ja womöglich gar nicht an.

Heute - Gegenwart Vier Wochen auf den Tag genau, na fast, sind nun vergangen. Irgendwie bin ich verunsichert: kommen die e-Liquids noch? Hat der Zoll die wieder zurückgeschickt? Warum sagt mir keiner Bescheid? Ein Blick in den Briefkasten klärt die Lage. Eine Benachrichtigung fordert mich auf, mit allerlei Papierkram ein Päckchen beim Zoll abzuholen.

Ich klemme mir also mein Motorrad unter den Hintern und rolle zu heller Tageszeit quer durch die ganze Stadt. Weil: ist ja mitten in der Woche und der werktätige Zeitgenosse befindet sich nicht beim Zoll sondern auf der Arbeit. Denk ich mir, doch ich liege falsch.

Es ist voll. Knüppeldicke voll.

Also stell ich meinen Körper in die Menge und bewundere nicht nur die Anzahl sondern auch die Vielfalt. Am vorhandenen Publikum lässt sich nicht ablesen, wo wir uns befinden – an den gesprochenen Sprachen auch nicht. Ob sich der Zollbeamte für'n Muezzin hält, weiß ich nicht, aber ansonsten geht's hier zu wie auf'm Hauptbahnhof Hamm.

Jetzt ist Warten angesagt. Ein gute Stunde. Dann endlich ruft der Zollbeamte, und zwar nicht zum Gebet sondern mich zu sich. Ich stehe auf, verleihe mir einen möglichst unauffälligen Eindruck und strebe dem Schalter entgegen, lege Papierkram vor; eine Uniform mit Inhalt verschwindet, und ein sehr freundlicher, aufgeschlossener Mensch mit Päckchen kehrt zurück.

Ich soll das mal aufmachen. Bitte. Und wo denn die deutschsprachige Inhaltsbeschreibung ist. Die zieh ich aus meiner Jacke, lege sie auf den Tresen - fein ordentlich. Sie kann aber dennoch die Frage nicht verhindern:

„Watt is'n dette?"

Ich stutze. Und schon wird mir klar: der weiß nicht, was 'ne e-Zigarette ist. Denk ich mir und ziehe dahingehend nun Erkundigungen ein. Der neu gewonnene Mitmensch in Zollmontur schüttelt den Kopf.

Ich erkläre. Er staunt.

Also stoße ich ein Geruchserlebnis an und öffne die Flasche.

„Riechen Sie mal!"

Die Nase des Herrn Beamten befindet sich über dem offenen Depot.

„Igitt – nimm weg. Das stinkt."

Da zeige ich ihm meinen persönlichen Verdampfer, schraube das Teil auseinander, zeige, wo die „Juice" reinkommt, dampfe ihm was vor.

Er staunt wieder.

Dann sagt er: „Das kannste ja in der Kneipe rauchen, oder?"

Ich nicke. „Nicht nur in der Kneipe," sag ich, „auch im Flugzeug. Jedenfalls wenn die das Erlauben. Da brennt nämlich nichts. Is' nur Dampf, sehen Sie?" Ich produziere 'ne mächtige Wolke.

Er staunt und ist beeindruckt. Dann sagt er: „OK. Ich mach Dir dett jetzt zollfrei. Kannste einfach nehmen und nach Hause gehen. Und Tschüss."

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Nun staune ich und bin beeindruckt, denn der Rechnungsbetrag liegt bei € 23,16. Das ist € 1,16 mehr als „man einfach so nehmen kann." Kostet eigentlich nun 19% Einfuhrumsatzsteuer auf den gesamten Betrag. Als ich deswegen noch einige klärende Worte wechseln will, ist der Herr Mitmensch schon längst mit einem Paar Augen beschäftigt, die ihn durch den Schlitz einer Burka anschauen.

Bunte Welt, denk ich, und trolle mich.

Und die Moral von der Geschicht? Mitdampfer – verzweifele nicht! Das war jetzt'n Experiment und ist geglückt und hat sich gelohnt – weil echt billiger. Mein Vorrat ist erstmal aufgefüllt. Ich brauche 2 ml pro Tag, das entspricht ungefähr einer Schachtel Pyros. Nach Adam Riese bin ich die nächsten 100 Tage versorgt und spare um die € 400,- im Vergleich. Nicht schlecht.

Mach ich das nochmal? Vermutlich. Mal sehen. Kann gut sein. Und wenn die die Sachen einfach zurückschicken? Dumme Sache das. Dann war alles halt dreiundzwanzigeurosechzehn teurer, nicht wahr.

Nachtrag: der Zoll darf das! Der Zoll darf Pakete innerhalb der EU kontrollieren

Angeregt durch den Kommentar von Chris eine Ergänzung - ein bisschen im Beamtendeutsch . Der freundliche Herr vom Zoll erklärt etwa wie folgt: auf deutschem Hoheitsgebiet gilt das Arzneimittelgesetz. Wenn nun ein Paket einem Verbot oder einer Beschränkung entgegenzustehen scheint, so kann der Zoll hier kontrollieren. Es handelt sich hierbei um eine "Verbringung" nach Zollrecht - nicht um eine Einfuhr in das Hoheitsgebiet. Auch hier wird deutlich - ob man das nun hören will oder nicht: die e-Zigarette bewegt sich mit allem drum und dran in einem "geduldeten" oder besser "ignoriertem" Umfeld. Noch. Die Gesetzeslage an sich war für den Zollbeamten klar und eindeutig - kein Zögern :o Siehe hier?




(21.10.2010 (12:26:48))
Yes No Bei mir hats heute nicht geklappt...
Die freundliche Dame beim Nürnberger Zoll sagte mir die Depots fallen unters Arzneimittelgesetz und ich musste die Annahme verweigern. Dumme Sache, vor allem weil ich schon 130 Euro Vorkasse gezahlt habe.
Da das Zeug aus Spanien geschickt wurde: Warum landet es überhaupt beim Zoll ? Ist doch EU ...
LG, Chris
Quote
Tombadil (21.10.2010 (10:43:51))
Zoll darf EU-Pakete kontrollieren Yes No Ich habe den Text ergänzt - vielen Dank für diese Anregung. Allerdings die Auskunft beim Zollamt war ganz klar: ist keine \"Einfuhr\" sondern eine \"Verbringung\" ins deutsche Hoheitsgebiet. Wenn dies dann \"einem Verbot oder einer Beschränkung\" entgegensteht, dann kann der Zoll Pakete auch aus einem EU-Land kontrollieren, alldieweil nämlich hier das Arzneimittelgesetz gilt. So die freundliche, aber bestimmte Auskunft... :oQuote
laura (19.08.2010 (12:28:36))
Kleiner Tipp - EU Binnenland ist zollfrei Yes No

Unsere chinesischen Mitmenschen sind super organisiert und machen sogar den Zollschmuggel schon für dich. D.h. du kannst evtl. e-liquids super billig im EU-Binnenmarkt finden. Also kein Zollverfahren hihihi. Nicht gaaanz so günstig wie direct aus China, aber vielleicht weniger umständlich. Habe meine aus UK, jetzt probiere ich mal Spanien.
Quote
O.b.lx (16.04.2010 (15:41:48))
wie im wahren leben Yes No :D
so oder so ähnlich kann es wohl auf allen zollämtern vorkommen.
schöne geschichte und von mir so ähnlich erlebt.
hoffen wir mal das die zöllner es weiterhin so handhaben
gruss
o.bl.x
Quote


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