Krebsrisiko e-Zigarette?

e-zigarette weist angeblich höheres Krebsrisiko auf

Krebsrisiko e-Zigarette?

Amerikanische Forscher behaupten, die e-Zigarette weise ein höheres Krebsrisiko auf als die Tabakzigarette.

Kritiker erwidern: Studie wurde unter unrealistischen Bedingungen durchgeführt:

  • zu hohe Spannung
  • zu hohe Temperatur
  • führt zu sog. "Dry Puff"
  • für den Dampfer nicht zumutbar
  • ungültige Schlussfolgerungen
  • Mangel an Erfahrung und Kontakt zu echten Dampfern beim Forscherteam

Dr. Michael Siegel , Dr. Konstantinos Farsalinos oder Gregory Conley weisen die Studie als "unverantwortlich" zurück.

Höheres Krebsrisiko bei e-Zigaretten?

Ein amerikanisches Forscherteam der Portland State University veröffentlicht in einem Artikel bedenkliche Zahlen zum „versteckten“ Gehalt von Formaldehyd im Aerosol der e-Zigarette. Formaldehyd gilt laut der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) als krebserregend. Sie hatten beim Betrieb einer handelsüblichen e-Zigarette mit 5 Volt Spannung Formaldehydabspaltungen im Bereich von 14,4 mg pro Tag beobachtet; der entsprechende Wert für 20 Tabakzigaretten liegt bei 3 mg.  So kommen sie zu einem 5 bis 15-fach höheren Krebsrisiko für e-Zigaretten-Nutzer.

Kritiker – z.B. Dr. Michael Siegel , Dr. Konstantinos Farsalinos oder Gregory Conley – entgegnen: die Betriebsbedingungen seien unrealistisch und die Schlussfolgerungen daher nicht gültig. Die Studie halten sie für „unverantwortlich“.

Was ist dran an der Geschichte?

Unrealistische Nutzung

Die wesentliche Kritik bezieht sich auf „unrealistische Nutzung“: erst ab einer Spannung von 5 V wurden Formaldehydabspaltungen entdeckt, doch liege dieser Wert im „Bereich extremer Überhitzung“, so Conley. Das führe zu einem brennenden, beißendem Geschmack im Mund sowie einem überaus heißem Dampf. Dieses Phänomen ist unter der Bezeichnung „Dry Puff“ (trockener Zug) bekannt, und nachdem „Du sowas einmal erlebt hast, hast du null Interesse daran, das zu wiederholen.“ (Conley)

Dr. Siegel bestätigt: „Die verwendete Spannung ist so hoch, dass sie den Verdampfer überhitzt. Dies erzeugt einen furchtbaren Geschmack, den kein Dampfer ertragen könnte“ Hierbei werde möglicherweise der Verdampfer beschädigt und das e-Liquid ganz sicher überhitzt.

„Dry Puff – Dry Hit“

Zu einem “Dry Puff“ oder „Dry Hit“ kommt es, wenn der Verdampfer überhitzt wird. Das führt zu einem unangenehmen, brennenden Geschmack, der durch eine ungenügende Zufuhr von Liquid bei gleichzeitig höherer Verdampfungsrate führt. Er kann auch entstehen, wenn das e-Liquid nahezu aufgebraucht ist und zeigt an, dass e-Liquid nachgefüllt werden muss. Das „Dry Puff“- Phänomen kann leicht durch einen Dampfer entdeckt und vermieden werden; eine Laborumgebung vermag das allerdings nicht. Wenn es also bei einem Laborexperiment auftaucht, verfälscht es signifikant den Wert der Ergebnisse und deren Anwendung in der wirklichen Welt.

Wie verkohltes Fleisch

Dr. Farsalinos gibt folgenden Vergleich: Das ist so, als ob man ein Stück Fleisch vollständig verkohlt, darin hohe Werte für krebserregende Stoffe entdeckt und dann schlussfolgert, dass Menschen, die Fleisch essen, einem sehr hohen Krebsrisiko ausgesetzt sind. Natürlich ist es absolut korrekt, dass vollkommen verkohltes Fleisch hohe Werte für Karzinogene (krebserregende Stoffe) aufweist. Aber da kein Mensch solches Fleisch essen würde, ist natürlich auch die Einschätzung des Krebsrisikos komplett ungültig.

Forscher weisen Kritik zurück

Der Hauptautor Prof. Dr. David Peyton: „Wir sind losgegangen und haben uns in einem e-Zigaretten-Geschäft ein Gerät besorgt und unter den Standard­einstellungen benutzt. Wir haben nichts daran verändert.“ Sie hätten auch nicht einfach einen Knopf gedrückt und so viel Dampf wie möglich erzeugt. Die „Puffs“ (Züge) lägen mit 2 Sekunden Dauer im Normalbereich.

Erhöhtes Risiko bei 5 V?

Formaldehydabspaltungen bildeten sich nicht bei niedriger Spannung (3,3 V) sondern erst bei höherer Spannung (5 V). Bei einem Konsum von 3 mL e-Liquid pro Tag atme ein Dampfer eine Menge von 14,4 mg Formalaldehyd in Form von Formaldehydabspaltungen ein, ein Tabakzigarettenraucher (20 Zigaretten pro Tag) kommt hier auf 3 mg – fast nur ein Fünftel!

Und so kommen die amerikanischen Forscher auch auf ein verblüffendes und beunruhigendes Ergebnis: bei einem Menschen mit 70 kg Körpergewicht bestehe je nach Berechnungsart ein zwischen 5 und 15-fach erhöhtes Krebsrisiko (bezogen auf einen Zeitraum von 20 Jahren).

Nikotinfreie Liquids

Auch mache es keinen Unterschied, ob man nikotinhaltiges oder nikotinfreies Liquid benutze. Sogar bei hochreinen Basis-Liquids (Liquids ohne Aroma und Nikotin) maßen die Forscher dieselben Werte.

„Das beruht weder auf dem Aroma noch auf dem Nikotin“ – für Prof. Peyton liegt die Ursache im grundlegenden Aufbau der e-Zigarette: Viele Liquids beruhen auf einer Propylenglycol-Basis und Formaldehyd ist ein bekanntes Zerfallsprodukt von Propylenglycol. Und Formaldehyd gilt als krebserregend.

Außerdem könne die Aufnahme im Atmungstrakt ggf. effizienter sein und ein noch höheres Krebsrisiko bewirken.

 

Warum überhaupt eine höhere Spannung?

Warum wählen Dampfer überhaupt eine höhere Spannung? Die höhere Spannung führt zu einer vergrößerten Dampfbildung; viele Dampfer berichten auch von einer höheren Nikotinsättigung und einem intensiveren Aroma.

Die höhere Spannung hat Folgen:

  • verbraucht mehr Liquid
  • der Verdampferkopf muss häufiger ausgetauscht werden
  • der Akku häufiger geladen werden

Für Einsteiger und ehemals zurückhaltende Ex-Raucher eignet sich am besten ein niedriger Wert.

Fazit:

„Es ist mehr als offensichtlich, dass die vorgefundenen Werte für Formaldehyd das Ergebnis einer Überhitzung sind. Ein Mangel an Erfahrung und der fehlende Kontakt zu „Dampfern“ (Nutzern der e-Zigarette) können solche fehlerhaften und unrealistischen Ergebnisse hervorbringen, die dann zur Verwirrung und Desinformation unter Wissenschaftlern, Dampfern und potentiellen Dampfern führen. Schlussendlich ist es enorm wichtig, dass eine jede Studie über die Chemie des Dampfes von e-Zigaretten im Detail die verwendete Ausrüstung aufzeigen sollte.“
Dr. Konstantinos Farsalinos

Siehe auch:

  • Medscape:
    Cancer Risk Greater From e-Cigs Than Regular Cigarettes? Medscape. Jan 23, 2015
    http://www.medscape.com/viewarticle/838629#vp_1
  • New England Journal of Medicine:
    http://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMc1413069?query=featured_home
  • Dr. Michael Siegel
    Confirmed: Formaldehyde Study Conducted Under Implausible Conditions; Conclusions Invalid
    http://tobaccoanalysis.blogspot.de/2015/01/confirmed-formaldehyde-study-conducted.html
  • Dr. Konstantinos Farsalinos
    Verified: formaldehyde levels found in the NEJM study were associated with dry puff conditions
    http://www.ecigarette-research.com/web/index.php/2013-04-07-09-50-07/2015/192-form-ver
  • Farsalinos, K.E.; Romagna, G.; Tsiapras, D.; Kyrzopoulos, S.; Voudris, V. Evaluation of Electronic Cigarette Use (Vaping) Topography and Estimation of Liquid Consumption: Implications for Research Protocol Standards Definition and for Public Health Authorities’ Regulation. Int. J. Environ. Res. Public Health 2013, 10, 2500-2514.