Nichtraucher werden - Einfach. Nicht leicht!

nichtraucher-werden: Nichtrauchen ist einfach, nicht leicht!

Machen wir uns doch nichts vor: Rauchen bringt uns um. Die meisten Raucher fangen irgendwann in ihrer Schulzeit an, rauchen dreißig Jahre zwanzig Zigaretten am Tag, und wenn die Jugend dem Alter weicht, wenn das Aufwachen am Morgen dem langsamen, stotternden Anlassen eines verdreckten Schiffsdiesels aus dem ersten Weltkrieg ähnelt, dann kommen die Zweifel.

140.000 Menschen sterben jährlich in Deutschland an den Folgen des Rauchens, 6.000 davon sind Passivraucher.

Wenn uns ein Mensch „in seinen besten Jahren“ mit einer schicken Sauerstoffflasche im Rucksack begegnet, dann halten wir den nicht für einen Alien, sondern wir vermuten eine schwere Schädigung der Lunge durch das Rauchen.

Das Wegschauen und Verleugnen wird täglich schwerer, und wir verstehen, dass wir womöglich zu der Hälfte der Raucher gehören, die ihr Leben vorzeitig beendet.

Nichtrauchen ist einfach. Eigentlich.

Nichtrauchen ist total einfach. Eigentlich. Kann jedes Kind. Wir müssen nichts Neues lernen, keine Kurse besuchen, Prüfungen ablegen, Trainieren. Nichtrauchen können wir schon von unserem ersten Schrei an – noch ist kein Fall bekannt, da ein Säugling nach der Fluppe und nicht nach der Brust verlangte. Aber dies hilft wirklich nicht, wenn wir 30 Jahre lang 20 Zigaretten am Tag geraucht haben: der unschuldige Nichtraucher in uns röchelt längst im Koma.

Nichtraucher werden ist schwierig.

Nichtraucher werden ist schwierig - wir wollen als langjährige Raucher in den „Urzustand“ zurück. Weil wir nichts Neues lernen müssen, ist Nichtrauchen einfach, aber es ist verdammt noch mal ganz bestimmt nicht leicht, das Rauchen aufzugeben. Die Tabakindustrie hat jahrzehntelang geforscht, die Abhängigkeit von Zigaretten wirkungsvoll zu erhöhen, und so nimmt es nicht Wunder, wenn nur etwa 5% der Raucher, die mit dem Rauchen aufhören, auch 5 Jahre danach noch Nichtraucher sind. Einer von Zwanzig!

„Mit dem Rauchen aufhören, das war das Schwierigste, das ich je gemacht habe!“

Viele Ex-Raucher finden, dass „mit dem Rauchen aufhören“ das Schwierigste war, das sie je gemacht haben. Nikotin ist die am schwersten süchtig machende Droge, und diese Droge hält sie an der Zigarette gefangen. Der Tabakrauch enthält die eigentlichen Schadstoffe, und es ist der Tabakrauch, der Sie umbringt – ob wir nun inhalieren oder wie bei Pfeife oder Zigarre nur paffen. Das Nikotin hält uns "nur" bei der Stange - es stellt "sicher", dass wir "dran" bleiben.

Es ist so schwierig, weil die Zigarette uns Vorteile vorgaukelt, die gar nicht vorhanden sind. Wenn wir rauchen, fühlen wir uns:

  • ruhig und gelassen
  • satt und zufrieden
  • wach und konzentriert

Allerdings: je mehr Nikotin wir konsumieren, desto mehr Nikotin brauchen wir, und all das endet damit, dass wir nur noch Rauchen, um keine Entzugserscheinungen zu spüren. Tatsächlich glauben wir, dass wir nur mit Zigarette „normal“ sind.

Rauchen ist eine schwere Sucht

Rauchen ist eine schwere Sucht. Rauchen ist keine schlechte Angewohnheit, kein Laster, kein duldbares Fehlverhalten mit vernachlässigbaren Konsequenzen. Rauchen bringt uns um! Aber was uns hier erwartet, ist nicht der ehrenhafte Tod eines Feuerwehrmannes, der in den Flammen umkommt, weil noch ein Kind zu retten ist. Rauchen verwandelt uns in siechende Krüppel; das Sterben ist ein jahrelanges Krepieren.

„Ich rauche gerne!“

Dieser Werbeslogan ist die letzte Bastion der ganz und gar Unbelehrbaren. Da kann man ganz schnell „Ja“ sagen und in der Anspruchshaltung des 21. Jahrhunderts tönen: Was ich gerne will, das muss ich auch gerne dürfen. Dieser arrogante Individualismus wischt dann auch alle anderen Bedenken beiseite, lässt diese gar nicht zu Prüfung zu - wir alle kennen jemanden, der seit 50 Jahren raucht und noch immer „gesund“ ist.

Das ist Verleugnung pur: stellen wir uns doch einmal ganz ehrlich die Frage: wenn uns die nächste Zigarette mit 100%er Sicherheit Lungenkrebs bringt, würden wir diese nächste Zigarette dann wirklich rauchen? Wer hier mit „Ja“ antwortet, ist entweder tatsächlich unbelehrbar oder stark Selbstmord gefährdet.

Nichtrauchen ist Willenssache

Nichtrauchen ist reine Willenssache. Es verlangt den festen Entschluss oder die „unbeugsame Absicht“. Wir müssen in diesem Entschluss fest sein und nicht wanken. Der feste Entschluss lässt Rückfälle zu und hilft uns dann über jeden Rückschlag hinweg: wenn wir doch wieder zur Zigarette greifen, dann ist es der Wille, der uns zum nächsten Rauchstopp-Versuch bringt, und zum übernächsten… Ich habe bestimmt 20 Versuche gebraucht und bin nun seit 2005 rauch- und nikotinfrei. Jeder Rückfall bringt uns weiter. Mit jedem Rückfall lernen wir Neues: über uns – über Zigaretten – über Nichtrauchen – über Illusionen.

Nichtrauchen braucht Vorbereitung

Ein Krieger zieht wohlvorbereitet in die Schlacht.
Carlos Castaneda

Das Nichtrauchen braucht Vorbereitung und Planung wie eine Schlacht. Jedenfalls für die meisten von uns. Meine Frau (10 Jahre, 20 Zigaretten Marke Freiheit und Abenteuer am Tag) hat einfach nicht mehr geraucht, die Glückliche. Als ob sie sich entschlossen hätte, die alten Schuhe gegen neue auszutauschen – nur ohne die sonst üblichen Blasen. Sie hat natürlich auch kein Gramm zugenommen, die Glückliche (seufz ).

Aber für die meisten von uns gilt: wir müssen uns genau auf die Finger schauen und gleichzeitig immer gewahr sein: das Nikotin erzählt uns eine andere Geschichte.

Wenn uns das gelingt, dann kommen wir zu einem schlauen, ganz persönlichen Plan, der uns wieder zu Nichtrauchern macht – und wenn es 20 Versuche und 19 Rückfälle braucht!