Zigaretten: Rauchen kann tödlich sein

Zigaretten und der Tod von 140.000 Menschen

e-zigarette-test-tote-durch-tabakkonsumTabakzigaretten werden in Deutschland für den Tod von 110.000 Menschen jährlich verantwortlich gemacht, manche sprechen von 140.000 . Deutschland beherbergt 20 Millionen Raucher, von denen jeder zweite ein um durchschnittlich 14 Jahre verkürztes Leben erwartet. Nichtraucher erreichen zu 83% das siebzigste Lebensjahr, von den Rauchern sind es nur 58%. Diese Raucher sorgen für einen Umsatz von etwa 19 Milliarden Euro jährlich - mehr als 80% hiervon wandern ins erfreute Staatsäckel. (Tabaksteuer ♦)Weitere 20 Milliarden Euro werden für die Behandlung der Folgekosten durch Tabakmissbrauch fällig – und wie hoch die Einsparungen an Rentenzahlungen sind, hat wohl noch niemand ausgerechnet.

Wir fühlen uns hier an einen alten Kalauer erinnert: um die Ausgaben für die Rente zu senken, dürfen alle über 60 in diesem Jahr die Straße bei „Rot“ überqueren und im nächsten Jahr müssen sie es!

Tabaklobby – Pharmalobby - Staat

Wir wollen hier einmal feststellen: ein irrwitziges latentes Selbstmordgebaren von weit mehr als dem Doppelten der Einwohner Österreichs, eine nicht erklärte Todessehnsucht, die einen Umsatz von knapp 40 Milliarden Euro jährlich erzeugt, steht nicht in Gefahr, von heute auf morgen unterbunden zu werden.

Tabakkonzerne, Pharmakonzerne und der Staat ziehen an einem für Raucher tödlichen Strang – zu stark und fest sind ihre jeweiligen Interessen verwoben. Die Tabakindustrie steht vor sinkenden Umsatzzahlen und ernsthafter Regulierung. Die Pharmaindustrie wittert Morgenluft, sie will ihre Nikotinersatzprodukte verkaufen. Außerdem verdient sie ja nicht an Gesundheit, nein, nur dort wo es Kranke gibt, kann sie Medikamente verkaufen. Die Folgekosten des Zigarettenkonsums sind für „Big Pharma“ Umsatz, der in der Kasse klingelt. Und der tabaksteuersüchtige Staat kann nicht auf diese Einkommensquelle verzichten.

Moral, Ethik und Finanzen

Ansätze zur Behebung dieser eklatanten Misslage lassen nur unerfüllbare Maximalforderungen zu. Alternative Tabakprodukte wie der schwedische „Lutschtabak“ (Oraltabak) "Snus" werden EU-weit verboten - die nachweisbare positive Gesundheitslage schwedischer Männer spielt keine Rolle. Sie rauchen weniger Zigaretten und leiden infolge dessen weniger an tabakbedingten Gesundheitsschäden♦. Snus soll Krebserregendes enthalten. „Gemäß einer Studie könnten über 200.000 vorzeitige Todesfälle in nur fünfzehn EU-Ländern vermieden werden, wenn die Raucherquote so klein wie in Schweden wäre.“ (♦ Dr. Adrian Payne)

Alternative Nikotinprodukte als Ersatz für die lebensgefährliche Fluppe anzubieten gilt als „unethisch“. Diese bergen gesundheitsschädliche Risiken, wenn auch nur schwer vorstellbar ist, dass sie in der Nähe der Risiken herkömmlicher Zigaretten liegen könnten. (♦ Dr. Adrian Payne)

Raucher werden ihrer neoliberalen Eigenverantwortlichkeit übergeben. Ohne weitere Umschweife sollen sie sich das Rauchen abgewöhnen. Basta! Man dürfe keine weiteren Alternativen am Markt zulassen, da sonst willige Raucher nur umsteigen und nicht ganz und gar aufhören. Diese Pseudo-Logik hat angesichts der oben beschriebenen Fakten einen üblen Geruch.

Hunderttausende sterben und starben in Deutschland allein infolge Nikotinmißbrauchs – das ist seit Jahrzehnten bekannt. Und es stellt kein ethisches Dilemma dar. Auch das Profitieren des Staates am vorzeitigen Ableben von Millionen von Rauchern scheint ethisch einwandfrei.

Nur 5% der Raucher schaffen es

„Mit dem Rauchen aufzuhören ist leicht, ich habe das tausend mal getan!“ (Mark Twain) Die humorige Beschreibung gibt die tragische Situation vieler Raucher wieder. Nikotinersatztherapien (NET/NRT – Pille, Pflaster, Spray u.ä.) machen den "Kohl nicht fett"[Erfolgsrate von Nikotinersatzprodukten ♦]. Der Erfolg bei angebotenen Verhaltenstherapien, Seminaren und Schulungen ist mit Vorsicht zu genießen: hier wird eine Dienstleistung verkauft.

Für die schwer abhängigen Nikotinjunkies ist der Befund deprimierend. Staatliche Behörden und Gesundheitsorganisationen ziehen sich mit Blick auf das öffentliche Wohl hinter erhabene Rechtschaffenheit zurück. Die Pharmaindustrie will ihre eigenen Produkte loswerden, und Big Tobacco mutiert zum Gesundheitswarnapostel.

In den USA fordert die einst so mächtige Tabaklobby, was sie selbst jahrzehntelang erbittert verweigert hat: gründliche, ausführliche, langwierige wissenschaftliche Untersuchungen. Nicht von Zigaretten, nein, von alternativen Nikotinprodukten. Diese sollen jenseits allen Zweifels nachweisen, dass sie für die menschliche Gesundheit keine Gefahr darstellen. Mögliche Konsequenzen aus der nachgewiesenen Gefährlichkeit der Tabakzigarette stehen nicht zur Debatte – auch wenn nun für 2011 eine Offenlegung aller Inhalts- und Zusatzstoffe der Tabakzigarette angekündigt ist.

Maximalforderungen und die real existierende Wirklichkeit

In den späten 80er Jahren wurde an einem Berliner Krankenhaus diskutiert, welche Empfehlungen der Bevölkerung hinsichtlich des Umgangs mit AIDS gegeben werden sollten. Die theoretische Maximalforderung zum Zeitpunkt war: Sex in allen Lebenslagen nur mit Kondom. Anal- wie Vaginalverkehr, Oralsex und mit großem „Amüsemang“ erinnern wir uns an einen damaligen Rolex-Rolls-Royce-Wunder-Guru, der seinen orangefarben gekleideten Jüngern abverlangte, jederlei Sex nur noch mit Ganzkörperkondom zu praktizieren.

Allerdings wurde auch untersucht, wie viele Menschen einer solchen Empfehlung Folge leisten würden. Das Ergebnis: die Maximalforderung würden viele als übertrieben ansehen und mit etwas mehr als 60% der sexuell Aktiven Folge leisten. Die Empfehlung, Safer-Sex bei den eindeutig gefährlichsten Praktiken anzuwenden (Anal/Vaginalsex) würde viele überzeugen (mehr als 85%) und somit weit mehr Menschen schützen. Die bestehenden Restrisiken wurden als „Alltagsrisiken“ erkannt. Schließlich nehmen wir ja auch täglich am Straßenverkehr teil, obwohl wir getötet werden könnten.

Die Kunst des Möglichen

Eine solche Erkenntnis steht hinsichtlich einer erfolgreichen Tabakpolitik noch aus. Maximalforderungen, die den besseren Menschen herbei reden, führen in der Praxis zu mehr Toten. Ein Paradigmenwechsel ist hier angesagt: wenn es schon nicht gelingen will, Menschen zum vollständigen Nikotinentzug zu bewegen, so muss doch wenigstens eine Besserung für diese Menschen erreicht werden.

Viele Raucher erkennen die üblen Folgen ihrer Sucht: zunehmende gesellschaftliche Ächtung, hohe finanzielle Verluste, schwere Krankheit und schlechterletzt ein möglicherweise langsamer, qualvoller Tod – ein elendes Verrecken.

Diese Menschen beim Entzug mit dem Verweis auf „Eigenverantwortlichkeit“ ihrem Schicksal zu überlassen, ist so scheinheilig wie zynisch. Big Tobacco hat genauestens erforscht, wie diese Sucht zu verfestigen ist – der Konsum von nur vier Zigaretten führt im Durchschnitt zu einer 30jährigen Raucherkarrierre. Nikotin ist in seiner Suchtwirkung ohne Weiteres mit Heroin vergleichbar. Allerdings töten Zigaretten weit über 100.000 Menschen, Heroin weniger als 2.000 pro Jahr.